Risiko einer Stromknappheit in Belgien - wie ist das möglich?

Im Alltag sind wir ständig online und vernetzt. Da ist es kaum vorstellbar, dass eine so grundlegende Ressource wie Strom einmal knapp werden könnte. Aber es kann durchaus vorkommen, dass das Angebot an Strom geringer ist als der Bedarf. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man die Thematik mit etwas Abstand betrachten und das System der Stromversorgung insgesamt erörtern.

Strom kann nicht in großen Mengen gespeichert werden

Um zu begreifen, warum eine Stromknappheit auch heute noch möglich ist, sollte man sich ein wesentliches Prinzip in Erinnerung rufen: Strom kann derzeit nicht in großen Mengen gespeichert werden. Das bedeutet, dass er immer dem momentanen Bedarf entsprechend erzeugt werden muss. Damit das Stromnetz normal funktioniert, muss ein ständiges Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch vorhanden sein.

Und damit dieses Gleichgewicht jederzeit gewährleistet wird, oder – anders ausgedrückt – wir jederzeit über ausreichend Strom verfügen, um den Bedarf der Verbraucher zu decken, sind verschiedene Akteure entscheidend:

Die Stromlieferanten und -erzeuger

Die Stromlieferanten schließen Verträge mit Privathaushalten, Unternehmen und Industriekunden. Anschließend kaufen sie den zur Deckung des Bedarfs ihrer Kunden notwendigen Strom von Erzeugern, die den Strom in Kraftwerken, Windkraftanlagen oder anderen Erzeugungseinheiten erzeugen, sowohl in Belgien wie im Ausland. Als Stromverbraucher zahlen Sie Ihre Stromrechnung an Ihren Lieferanten.

Die Netzbetreiber

Die Stromnetzbetreiber transportieren Strom von den Kraftwerken zu den Verbrauchern. Es gibt:

Einen Übertragungsnetzbetreiber, der das landesweite Hochspannungsnetz betreibt, instand hält und ausbaut, in Echtzeit das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch überwacht und wenn notwendig korrigiert. In Belgien ist Elia der Übertragungsnetzbetreiber.

Mehrere Verteilnetzbetreiber (Ores, Eandis, Infrax, Sibelga, usw.), die den Strom auf lokaler Ebene in einem bestimmten Gebiet verteilen. Sie sorgen dafür, dass Haushalte, Unternehmen, Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen usw. mit Strom versorgt werden und betreiben das Niederspannungsnetz. Sie sind auch für das Ablesen Ihrer Stromzähler zuständig.

Die föderalen Behörden

Die föderalen Behörden bestimmen die allgemeine Energiepolitik in Belgien und achten insbesondere darauf, dass genügend Stromerzeugungseinheiten zur Deckung des Bedarfs zur Verfügung stehen und dass falls erforderlich eingegriffen werden kann.

Es ist nicht mehr genügend Strom verfügbar

Das Problem, mit dem unser Land bei einer Stromknappheit konfrontiert wird, lässt sich ganz einfach zusammenfassen: Es besteht das Risiko, dass der Strom in den kommenden Wochen oder Tagen nicht ausreicht, um unseren Bedarf zu decken. Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Mehrere Kraftwerke geschlossen oder stillgelegt

In den letzten Jahren wurden in Belgien hauptsächlich aus Rentabilitätsgründen mehrere Gaskraftwerke definitiv stillgelegt, weitere Kraftwerke sollen folgen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass bestimmte Kraftwerke aus technischen Gründen (Wartung, Betriebsstörung, usw.) oder aus Gründen der Sicherheit (regelmäßige Kontrollen) zeitweise außer Betrieb gesetzt werden.

Nicht immer ist es möglich, genügend Strom einzuführen

Unser Land ist bei der Stromversorgung zunehmend auf den Stromimport aus den Nachbarländern angewiesen.

Dies stellt unter normalen Bedingungen kein Problem dar, aber im Winter ist unser Stromverbrauch für Licht, Heizung, usw. höher.

Heikel wird die Lage dann, wenn in Nachbarländern Erzeugungseinheiten außer Betrieb genommen werden, die Temperaturen in weiten Teilen Europas niedrig sind und alle gleichzeitig besonders viel Strom benötigen.

Aber auch wenn unsere Nachbarn genügend Strom zur Verfügung haben, kann dieser nicht unbedingt je nach Bedarf eingeführt werden, da die Strommenge, die über die Verbindungsleitungen zwischen den Ländern transportiert werden kann, physikalischen Grenzen unterliegt.

Nicht immer steht erneuerbare Energie zur Verfügung

Neben den klassischen Kraftwerken stammt ein nicht unbedeutender Teil der Stromerzeugung aus Windkraft- oder Solaranlagen.

Im Winter aber, wenn es sehr kalt ist, gibt es kaum Wind, d. h. die Windkraftwerke erzeugen nicht genügend Energie. Wenn wir abends nach Hause kommen und mehr Strom verbrauchen, ist es bereits dunkel, die Solaranlagen erzeugen dann also auch keinen Strom mehr.

Weitere Informationen zur aktuellen Lage in Belgien finden Sie auf der Website des FÖD Wirtschaft, K.M.B., Mittelstand und Energie (Französisch und Niederländisch) und auf der Website von Elia.